Liebe Grüne Österreichs – ein offener Brief

…als Antwort auf eure Bitte um Vorschläge, was die Grünen besser machen können.
Nehmt die Vorschläge oder nicht. Es ist nicht notwendig, diese zu kommentieren, da es nur Vorschläge und subjektive Sichtweise sind.

Vorschlag 1: Zuhören:
Eines der stärksten Nachteile der Grünen ist die fehlende Fähigkeit, zuhören zu können. Denn nicht nur ich habe über Jahre hinweg immer wieder auf Probleme Eures Auftretens (seit Van der Bellen) hingewiesen.
Die Hauptreaktion der „Problemgrünen“ ist, dass beim ersten Stichwort von Kritik „Gegenargumente“ schießt, dass jedes StG77 glühen würde.
Diese „Argumente“ bestehen dann primär daraus zu erklären, warum das mit „den Andern“ was zu tun hätte, bzw. warum die Grünen wissen, wie’s richtig geht aber die Andern das nicht verstehen wollen.

Vorschlag 2: Demut.
Einen Andersdenkenden kann man als dumm, irregeführt, (berechtigt) frustriert oder als Mischung dieser Komponenten betrachten. Man kann sich aber auch fragen, welche Beweggründe ihn leiten, welche berechtigten Einwände diese haben.
Gerade im Falle von Ängsten ist es immer eine Frage, wie ich diesen Ängsten begegne;
Ob ich versuche die Ängste zu nehmen, oder den Betroffenen als Angsthase diskreditiere.
Und Kommunikation erfolgt bekanntlich zu 80% nonverbal, bzw. in social media zu 90% zwischen den Zeilen. Bewusst und unbewusst.
Ok, ich gebe zu: Hier ist auch meine Achillesferse (wie ihr an diesem Blogeintrag auch klar erkennen könntet), aber es ist auch berechtigte Kritik meiner Gegner an mir. (Woran ich arbeite. – Nein nicht an der Kritik meiner Gegner, sondern an der Art meines Auftretens).

Die „Problemgrünen“ vermitteln die Arroganz eines Klischee-Bachelors: Keine Erfahrung, keinen blassen Schimmer, aber „die Weisheit mit dem Löffel gefressen“.
In meiner früheren Laufbahn als Statiker (Bau-Ing.) habe ich gelernt, auf den „Baustellenarbeiter“, den Vorarbeiter und den Polier zu hören, denn sie haben sehr viel Einblick und Erfahrung. – Davon kann man sehr gut lernen, ohne seine Ausbildung zu „verraten“. 😉

Vorschlag 3: Am Gehsteig gehen, denn auf der Straße fährt der Bus.
Ich gratuliere Sebastian Kurz zu seinen Fähigkeiten des Wahlkampfes. Sich selbst zu präsentieren ist seine Spezialität. Kombiniert mit verschiedenen Kunstgriffen und Tricks ergibt das Ganze offensichtlich ein (fast) unschlagbares Konzept.
Auch Christian Kern muss man gratulieren zu seiner Strategie, welche das Ziel hatte, den Populismus auszusperren.
Peter Pilz hatte seine erfolgreiche Strategie: Der Fokus auf die eigene Arbeit, ohne Kritik auf die Andern. – Und keine Wahlplakate.
Sein Auftritt in Puls 4 brachte ihm am Ende den Einzug ins Parlament.

Hier eine Annekdote und Anmerkung. Ein Beispiel auch für Vorschlag 1, denn meine Warnung davor habt ihr ignoriert. Und ich bin mir sicher, dass dies Euch auch die eine oder andere Stimme gekostet hat:

Blackbox Eurofighter – mag sein, dass dort primär Grüne angemeldet waren, als Pilz & Co. die Dokumente lieferten. Ich kenne die Verteilung nicht.
Aber es waren sicherlich (wie ich) viele Interessenten dieser Causa angemeldet, die nicht grün sind. Und ich bin mir sicher, dass viele davon Grün als Alternative sahen (in jedem Falle, so lange PP noch dabei war).

Eine derartige Whatsapp Gruppe dann als Wahlwerbung für die Grünen zu missbrauchen ist dann schon eine suizidale Art von Promotion. Besonders, wenn diese „Wahlwerbung“ zu 90% daraus besteht, Wahlplakate zu präsentieren. – Gratuliere zu dieser PR technischen Meisterleistung.

Zurück zum Thema:
Es gibt also Populisten, die mit ihrer klaren und professionellen Linie (ohne wenn und aber, und auch ohne Moral) Stimmen gewannen.
Es gibt Sachpolitiker, die mit ihrer Art ebenfalls Stimmen gewannen (wobei die Idee mit Silberstein zwar gut, aber zweischneidig war: Man kann sich nicht mit Mephisto vor dem Belzebub schützen. – Der Punkt ging an Kurz und kostete Kern den Platz 1)

Nun dachten sich wohl die Grünen: „Van der Bellen hat mit Sachpolitik 10% gemacht, Glawischnig mit Populismus auch 10%. Also wenn wir beide Strategien vereinen, erhalten wir 20%“. – Das war definitiv ein Fehlschluss und es kam, wie es kommen musste: Die Grünen wurden (auf der MaHü / SCNR) vom Bus überfahren.

Also zusammengefasst: Populismus muss man nicht nur gern tun, sondern auch können. Populismus mit moralischen Grundsätzen ist eine Sache, bei der – bis dato – noch Jeder auf die Schnauze fiel. (Das ist der Kernpunkt meiner Kritik an den Roten). Sachpolitik muss man nicht nur gern tun, sondern auch gut können.
Wenn man alles ein bisserl was kann, kann man nix und wird überrollt.

Vorschlag 4: Die Welt endet nicht an der Schale der Melone.
Ok, eine Wassermelone (innen rot aussen grün) ähnelt unserem Erdball (ausser der Farbe und Größe) irgendwie.
Es gibt neben Grün auch Wirtschaft.
Es gibt neben Kommunismus auch Kapitalismus.
Und natürlich gibt es zwischen den beiden Enden auch unendlich viele Nuancen.

Systeme kann man von Aussen nicht bekämpfen. Damit stärkt man Systeme.
R. Buckminster Fuller meinte: „You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.“

Wer Grün will, muss Wirtschaft studieren.
Wer soziale Gerechtigkeit schaffen will, sollte den Kapitalismus beherrschen.

Ich kaufe mir derzeit ein E-Auto. Weil es umweltschonend ist, und weil es ökonomisch gesehen die bessere Entscheidung ist.
Ich trete aber auch für den Ausbau der Wasserkraft ein, und denke nicht, dass Strom aus der Steckdose reicht.

„Oder“ ist keine Lösung sondern ein Problem.

Vorschlag 5: Schaut in eure eigenen Reihen.
Ich möchte ein Beispiel hervor bringen, welches mir in dieser turbulenten Zeit aufgefallen ist, und es vor den Vorhang holen:
In Tirol hatten wir nicht nur die Wahl unserer nationalen Zukunft, sondern wir wurden auch danach gefragt, ob wir olympische Spiele anbieten sollten.
Die Innsbrucker Grünen waren dagegen, die Landespartei dafür.
Öffentlichen Disput gab es nicht, sondern die Kommunikation und das Auftreten war geprägt von Respekt und Anerkennung der treffenden Argumentation des Andersdenkenden. Man kann nämlich sehr wohl anderer Meinung sein, weil man Wichtung von Argumenten anders setzt.
Eine Seltenheit, bei den Grünen. Und um so schlimmer, als gerade die Grünen von sich behaupten diese Werte zu vertreten.

Wenn ihr es schafft, zu jenen Werten zurück zu kehren die ihr zu vertreten vorgebt (Authentizität),
wenn ihr es schafft, Meinungsverschiedenheit und Kompromiss- und Lernfähigkeit zu entwickeln (Teamfähigkeit, wie manche von Euch),
und wenn ihr es wieder schafft, diese Werte mit realistischen Konzepten zu präsentieren (Kompetenz), dann habt ihr eine gute Chance.
Die Alternative für Wählerstimmen wäre die Aufgabe von moralischen Grundsätzen und effektiver Populismus (auch eine Art von Kompetenz). – Aber ich hoffe, dass ihr auf diese Art von Wählern in Zukunft verzichtet.

Im andern Fall solltet ihr Euch überlegen, eine Frauen- und Minderheiten-ParteiIn zu gründen. Die Wählerschaft dafür könnte aber unter Gösser Bierdosen Niveau (Grün und 3.8%)
Ausgenommen, ihr wählt für diese Partei eine populistische Strategie in der Art von Femen. – Davon sind Putin und seine österreichischen Vertreter sicherlich entzückt.
Aber mit dieser Strategie könnt ihr im heutigen Österreich sogar stimmenstärkste Partei werden. – Ganz ohne Inhalte.

(Anm.: Der letzte Absatz sollte nicht allzu ernst genommen werden. Von Nicht- und Schon- GrünInnen und -Aussen.)

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