Von der Satirereligion Katholizismus und dem Kreuzzug gegen das rosarote Spagettimonster.

„Die christlichen Kirchen würden in öffentlich-rechtlichen Medien mehr und mehr Spott ausgesetzt, bedauert das Kolpingwerk. Besonders hart treffe es die katholische Kirche.“ (Focus Online 29.5.2014)

Wer am Sonntag in die (katholische) Kirche geht weiß, dass Priester schon lange über die leeren Bänke klagen.
Der Feind ist ausgemacht: Das fliegende Spagettimonster. – Die Satirereligion, welche jetzt sogar als „echte Religion“ anerkannt werden will.
Da mach‘ ich mir doch glatt die Arbeit, und stöber‘ durch die Presseartikel, um zu prüfen, ob die Jammerei von Prediger und Kolpingwerk wirklich berechtigt ist.

Und ich stolpere glatt über einen Skandal innerhalb der katholischen Kirche:

Martha Heizer: Ihresgleichen umstrittene Obfrau der Initiative „Wir sind Kirche“ wurde exkommuniziert. – Warum? – Sie erlaubte sich eine Eucharistiefeier zu feiern…
Für Jene, auf die das Thema Religion (schon in der Schule) die selbe Wirkung hatte wie die Stimme von Otto Clemens (Universum) auf meine Psyche (nach 5min erreicht man die erste REM Phase) möchte ich kurz zusammenfassen, worum es geht:

Die katholische Kirche kennt eine strikte Hierarchie und ein striktes Gesetz. Nach diesem darf nur der Priester die Eucharistiefeier zelebrieren, in der Brot und Wein tatsächlich in den Leib und das Blut Christi verwandelt wird.
Dies widerspricht zwar der Lehre Jesu, der in Matthäus 23 zitiert wird, dass wir alle Brüder sind, sich niemand Meister, Vater oder Lehrer nennen sollte und dass wir dieses Ritual zu seinem Gedenken machen sollten;
aber was hat die katholische Kirche mit Jesus zu tun?

Gehen wir von dieser Lehre aus und  gehen der Sache nach, warum Bischof Scheurer, Kardinal Schönborn und der Vatikan so empört sind, dass sie heftiger gegen Fr. Heizer vorgehen, als gegen die Kinder-Missbrauchstäter in den eigenen Reihen:

Klar: Kinder zu missbrauchen oder zu vergewaltigen verursacht Schmerzen, aber es sind diesseitige Schmerzen: Der Vergewaltiger wird seine Strafe erhalten (als Priester natürlich nur das Fegefeuer), während das Opfer die Schmerzen im Himmel belohnt bekommt…
Soweit zu den Affinitäten des katholischen Klerus zu den 100 Jungfrauen verehrenden Islamisten.

Eine Eucharistiefeier zu freveln ist da schon etwas Anderes. – Denn, lt. katholischer Lehrer, wird ja nicht einfach nur ein Gedenken an Jesus gefeiert, sondern in der Wandlung wird aus Oblatenscheibe und grüner Veltliner der echter Leib und echtes Blut! – Und mit Jesus sollte man nicht scherzen!
Dieses Zauberkunststück (im Jargon des katholischen Machtapparates: „Wunder“) muss den Priestern vorenthalten bleiben, denn nur sie sind ausgebildet. (Jesus sprach ja bekanntlich zu den ausgebildeten Pharisäern und lehrte sie, die einfachen Leute hierarchisch zu führen, oder doch nicht?)

Bleiben wir bei Fr. Heizer, die sich erlaubte, dieses Wunder zu vollbringen. – Oder doch nicht?
Ich gehe als vernünftig denkender Mensch davon aus, dass Fr. Heizer in keiner Minute vor hatte, dieses Wunder zu vollbringen, und dass dies wohl, wenn überhaupt, nur unabsichtlich passierte.
Fr. Heizer hatte eher vor, die Obrigkeit zu provozieren.
Mangels Rockkünste und -band hat sie sich wohl daher für eine „Messe“ entschieden, statt in der Kirche mit E-Gitarre ein Anti-Razzinger-Lied zu performen.
Und wie die Riots kalkulierte sie wohl die Strafe in ihre Aktion mit ein.
Glücklicherweise ist Schönborn nicht Putin, und so blieb ihr das Arbeitslager erspart.
Glücklicherweise? – Keineswegs. Glaubt man nämlich dem Katechismus, so droht ihr das schlimmere Arbeitslager nachdem sie den Löffel abgegeben hat.

Als vernünftig denkender Mensch fällt mir aber noch etwas auf:
Die Eucharistiefeier (im Gegensatz zu einer christlichen Gedenkfeier an Jesus) birgt ja dieses Wunder der „Wandlung“ in Jesu‘ Fleisch und Blut, welches nur von eingeweihten Zauber… ähm Priestern vollbracht werden darf.

Wenn nun Fr. Heizer wirklich dieses Wunder vollbrachte, dann hat wohl der Vatikan nach eigenem Gesetz korrekt gehandelt, aber gleich selbst die katholische Kirche als überlflüssig deklariert:
Denn wenn jede dahergelaufene Tirolerin das Wunder vollbringen kann, wofür braucht man dann Priester, Bischöfe, Kardinäle und einen Papst?

Aber wenn Fr. Heizer dieses Wunder nicht vollbrachte, dann hat sich wohl die Kirche geirrt, als die Dame exkommuniziert wurde, denn dann war’s ja keine Eucharistiefeier…

Langer Rede, kurzer Sinn:
Wieso beschwert sich bitte die katholische Kirche darüber, dass sie Spott ausgesetzt wird, wenn sie sich selbst am Meisten verspottet,
und warum beklagt man sich über eine Satirereligion, wenn man sich selbst als die größte Satirereligion outet?

Jesus hatte wohl eine andere Botschaft für uns parat, als: Vergib Jenen, die Kinder missbrauchen, aber kenne keine Gnade, wenn’s um’s Weintrinken geht.
Der uneheliche Zimmermanns(Adoptiv)sohn hatte wohl andere Sorgen, als fliegende Spagettimonster.

Es gibt noch viele Dinge in der katholischen Lehre, welche die Piratenpartei toppen:
Das beginnt mit der Mutter von Jesus, die ja angeblich bis zu ihrem Lebensende Jungfrau blieb, obwohl sie mit ihren Kindern plötzlich vor der Tür stand, während Jesus im Raum predigte (Mt 12.46).
Hätte mich allerdings gewundert, denn Josef hätte sich bedankt: Da darf er für ein Kind sorgen, das nicht von ihm ist, und als Dank dafür, dass er Maria trotzdem nahm, darf er sein Leben als Eunuch neben seiner Geliebten verbringen. – Wohl kaum.

Diese „Kuriositäten“ ziehen sich hin, bis zu dem Punkt wo sich der Chef der Kirche (1) „Heiliger Vater“ nennt (2)
(1) Mt. 23,8: Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.
(2) Mt. 23,9: Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.

Jetzt frägt sich so Mancher, der mich kennt, warum ich dann trotzdem noch in dieser Kirche bin…
Ganz einfach: Weil es so viele Menschen in dieser Kirche gibt, die – nach Jesu‘ Empfehlung – Gutes an ihren Mitmenschen tun, die sich um Andere kümmern und seine Lehre leben.
Leider sind das meist keine Priester, und die Besten unter den Priestern werden rausgeworfen, weil diese auch mal mit einer Frau zusammen sind…

Vielleicht sollte Bischof Scheurer und Kardinal Schönborn mal wieder das Neue Testament in die Hand nehmen, und die strikte Struktur und die Regeln der katholischen Kirche mit dem Pharisäertum der damaligen Zeit vergleichen.
Vielleicht sollten sie mal nachlesen, was Jesus über diese Art von Kirche predigte.

Oder vielleicht sollten sie in Anbetracht der Klage über die Satirereligion Pastafari und ihrer eigenen Satire einfach mal unter Matthäus 7,3 nachschlagen: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?„.

Mag sein, dass ich mich jetzt gegen die katholische Kirche versündige, mag sein, dass ich mich nach ihrem Recht strafbar mache.
Nach dem selbstständigen Studium des Neuen Testamentes bin ich mir jedenfalls sicher, dass ich im Sinne unseres Lehrers handle und dass ich auch das Recht dazu habe.
Und als Katholik sehe ich gerade in Mt. 7,3 die Verpflichtung aufzuzeigen.

Und sollte manchem Fundamentalisten innerhalb von steinernen Mauern der Gedanke kommen, meine Frevel hart zu bestrafen, so bitte ich um Gnade und möchte ihn vor Jesus warnen, der meinte: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“!

Jedenfalls verspreche ich hoch und Heilig: Für dieses Blog und alle meine restlichen Taten werde ich nach meinem Ableben dem Herrn Rechenschaft ablegen und allfällige Strafen geduldig und reumütig ertragen. Bis dahin bitte ich um Aufschub der katholischen Gerichtsbarkeit.

 

PS: In meiner Erleuchtung über die Gleichheit der Religionen, visualisierte ich das fliegende Spagettimonster in seiner realen Farbe. – So wird mir wohl nicht nur im Fegefeuer der Beelzebub einheizen, sondern die Tentakel werden über mich kommen, weil ich das große Geheimnis verriet. – Danke Roland, für deinen Hinweis, aber ich werde die Bezeichnung wohl als Zeichen für meine Fehlbarkeit verewigt lassen.
Unter dem Motto: It’s not a bug, it’s a feature!

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