Das Schlüsselerlebnis

Wir kennen es Alle…
Wir brauchen nur übers Wochenende weg fahren. Nach spätestens 10km kommen die Zweifel: „Habe ich den Herd / das Licht ausgemacht /die Haustüre zugesperrt?“
Eine Plage, die auch den Alltag prägt: „Wo sind meine Schlüssel? Habe ich den Herrn X zurückgerufen?“.
Manchmal nützt man den Effekt auch gezielt: Man verlässt den Platz oder wechselt die Arbeit, bloß um zu erfahren, was man gerade vergessen hat.
Aber meist werden die Dinger ziemlich lästig: Ins Auto einsteigen, zurück in die Wohnung. Oder in der Wohnung angekommen: „Habe ich das Auto zugesperrt?“

Einer dieser Zweifel plagte mich von dem Moment an, als ich mein neues Büro fertiggestellt hatte:
Dieses Büro hat nämlich eine Tücke: Zwei Türen.
Die Eingangstüre für Kunden und Lieferanten, und dann noch „meine“ Türe, die über die Treppe in die Wohnung führt.
In sich eine praktische Geschichte, leider eben mit einem entscheidenden Nachteil:

Du stehst am Abend auf, verlässt das Büro und stehst vor der Wohnungstüre: „Habe ich jetzt die Eingangstüre versperrt, oder nicht?“
Es nützt nichts: Umdrehen, zurück gehen, Innentüre aufsperren, testen, ob die Eingangstüre versperrt ist. Meistens ist sie das, aber wenn man nicht nachsieht, versaut man sich den Abend.
Also nach erfolgreicher Prüfung der Aussentüre wieder zurück nach oben.
An der Wohnungstüre angekommen: „Habe ich jetzt die Innentüre versperrt?“…

Irgendwann, so zu der Zeit, wo ich im Schnitt zweimal umdrehte, beschloss ich diese Qual zu beseitigen.
Nachdem ich soundso vor hatte eine Alarmanlage einzubauen, konnte ich auch dieses Problem professionell lösen.
Es war ein harter Kampf, dem Elektriker zu erklären, wie ich das genau will. – Er wusste es immer besser, aber am Ende wollte ich genau diese Lösung: Die Alarmanlage muss immer dann scharf schalten, wenn beide Türen versperrt sind. – Wäre eigentlich logisch.
Heute bin ich zufrieden. – Die Anlage schaltet scharf und meldet sich mit einem Biep. – Das ist so, wie beim Pawlowschen Hund:  Wenn’s biept, kann ich beruhigt nach Hause gehen, direkt zum Abendessen.

Gestern haben wir noch eine Runde Computer gespielt; Ein Freund, mein Sohn und ich.
Als wir die Nacht das Büro verließen, erklärte ich meinem Sprössling im Treppenhaus den Sinn dieser Konstruktion. Vor der Wohnungstüre erklärte ich ihm stolz:
„Jetzt muss ich nicht mehr nach unten laufen, und kontrollieren, ob ich zugesperrt habe“, während ich den Wohnungsschlüssel aus der Hosentasche zog und feststellte: „Wo ist mein Handy?“…

Mir blieb nichts Anderes übrig, als wieder umzukehren, das Büro aufzusperren und das Teil von meinem Schreibtisch zu holen.

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