Vom Frieden, den 99% und warum Ex-Raucher die schlimmsten Nichtraucher sind.

Es ist schon lange her, das Militär…

Ja, ich gebe zu: Ich war einer von denen, die Sinn im „Krieg gegen Terror“ fanden, die Reagan für seine Stärke bewunderten und meinten, der Dienst mit der Waffe sei ein wichtiger Beitrag für’s Vaterland und für den Frieden.
Aber glücklicherweise kann man lernen. – Z.B. aus der „Irangate Affäre“, oder blos aus einfachen Vorkommnissen, wie dieses hier:

Es war die Zeit des Wehrdienstes – nach ein paar Wochen in der Kaserne wurde uns angekündigt, dass wir diese Woche unsere Waffen ausfassen würden. In unserem Schlafsaal (darin 40 junge Männer) war dies nun Hauptgespräch Nr. 1.
Es stand so ca. 39:1: Ich war gefühlsmäßig der Einzige, der sich nicht gegen diese „Zwangsverpflichtung zum Morden“ sträubte. Hingegen waren meine Kameraden durchwegs überzeugt, dass sie nur unter Zwang diese Ausbildung machen, der Wehrdienst abgeschaffen und Waffen zerstört gehörten. Unverständnis und Geringschätzung über meine Einstellung schlug mir entgegen.
Ein paar Tage später war es dann so weit. – In der Früh traten wir vor dem Kompaniegebäude an:
Sie werden einzeln aufgerufen, gehen in den Keller zur Waffenausgabe, nehmen ihre Waffe an, unterschreiben, gehen in den Schlafsaal und versperren diese in ihrem Spind! – Bis zum Austreten aufgerufen wird„.
Ich sah zu, wie Mann für Mann aufgerufen wurde, und im Gebäude verschwand. Als ich an der Reihe war, ging ich in den Keller, nahm meine Waffe an mich und begab mich, wie im Befehl gefordert, in den Schlafsaal…
Dort erlebte ich dann aber eine herbe Überraschung: Aus den 39 Pazifisten ist eine Horde an „Cowboys“ geworden, die wild durcheinander riefen und mit Glanz in den Augen die echten Waffen herumfuchtelten. Ich bewegte mich durch die Meute hindurch, öffnete meinen Spind und stellte die Waffe da rein. – Als ich den Spind schloss, spürte ich einen Druck im Rücken und jemand rief: „Hände hoch“…
Kurz gesagt: Dieser Vorfall beendete die heitere Stimmung abrupt, und resultierte wieder in einem (glücklicherweise noch) verbalen Schlagabtausch, da die am Betonboden aufgeschlagene Waffe natürlich beschädigt war.

Vielleicht war es dieser Schock, wie Menschen sorglos mit einer echten Waffe umgehen. (Nein, da hätte trotzdem eine Patrone drinnen sein können. – Deswegen sind Waffen kein Spielzeug)
Vielleicht war es das Potential, das in diesen Menschen steckt, die sich noch Tage zuvor überzeugt gegen Gewalt und Waffen aussprachen. (Wer soll entscheiden, wer eine Waffe tragen darf oder nicht?)
Vielleicht ist es die Frage der Selbstkontrolle, die wir anscheinend nicht haben. (Genau deswegen haben Waffen in unseren Haushalten NICHTS verloren)
Jedenfalls war dies einer jener Punkte, wo ich begann, Gedanken über den Sinn und Unsinn zu machen.

Man hat das Gefühl, man steht vor einem Kind, das den Eltern stolz verkündet, es würde „niemals rauchen“, um dann ein paar Glimmstengel zu klauen und es zu probieren.
Es ist, wie bei Ex-Rauchern, die durch ihre aggressive Haltung versuchen, ihre aufkeimende Sucht im Ansatz zu ersticken.
Es ist – wie es im Buchtitel von Reinhard Haller so treffend beschrieben wird – das „ganz normale Böse“; Das Machtgefühl, das uns die Angst vor der „Bedrohung“ nimmt.
Es ist eine Sucht, die wir in unserer Crime Gesellschaft erlernt haben. ( Man hätte besser den vorderen Teil von „Sex and Crime“ forciert. 😉 )
Es ist die Art, wie wir in der „Superman/Rambo/Lara Croft“ Gesellschaft lernten, Probleme zu lösen.

Warum mir das gerade jetzt einfällt?
Weil unsere derzeitige Gesellschaft voll ist von solchen „Ex Rauchern“ oder „Raucherkindern“ welche „Revolution“ verlangen (natürlich „gewaltfrei“), von der „bösen EU Diktatur“ schreiben, die „ihre Bürger schlägt“ (Bilder von blutigen Demonstranten mitgeliefert). Weil ich mir nicht nur die Prügelpolizisten anschaute, sondern auch die Szenen davor, wo diese „unschuldigen Demonstranten“ vermummt mit Hass in den Augen zu Steinen und Flaschen mit Benzin griffen.

Weil ein – wohl auch gesteuerter – Prozess von statten geht, welcher nicht nur in Hallers Buch beschrieben ist:
Die „Entmenschlichung“ der Zielperson(en).
Denn wenn man im Gegner „das absolute Böse“ erkennt, ist die eigene (Gewalt)Tat blos „Notwehr“, auch wenn sie – wie bei den Steinen und Molotov Cocktails gut sichtbar – „präventiv“ erfolgt; In der Reaktion der Polizei, mit ihren Gummigeschossen und Schlagstöcken sieht man dann sich bestätigt.

Es beginnt damit, dass man auf dem „Anderen“ die Schuld ablädt, dass man die „bösen Taten“ des Anderen fokusiert und isoliert / exklusiv betrachtet und so ein absolutes „böses Bild“ schafft, welches polarisiert: Denn wer nicht „das Böse“ in Denen erkennt, gehört auch zur „anderen Seite“.
Der nächste Schritt ist, dass man ihnen die Existenzberechtigung aberkennt. – Zuerst vielleicht „fachlich“, „moralisch“, „politisch“, „gesellschaftlich“, „geographisch“ – und am Ende physisch.

Bertolt Brecht meinte: „Wenn es zum Marschieren kommt, wissen viele nicht, dass ihr Feind an der Spitze marschiert.“.
Damit liegt er nicht falsch, aber der eigentliche „Feind“ ist viel näher, und wenn wir diesen nicht im Zaum halten, dann wird er uns verlassen und in unseren Gegnern widerspiegeln…

Und wenn ich eine Botschaft habe, an die selbsternannten ‚99%‘ so lautet diese: „Wenn ihr das Parlament stürmen wollt, macht es wie Ghandi es vorzeigte“.

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