Die Eichhörnchen am Teich

Zwei Eichhörnchenfamilien lebten mal an einem Teich.
Das Land war reich von Nüssen und so mussten sie nicht wirklich sparen, um gut leben zu können. So kam es, dass die beiden Familien über die Jahre begannen, mit ihren Nüssen gegenseitig zu prahlen und diese zu verschwenden.
Da die eigenen Vorräte begrenzt waren, überfielen sie gemeinsam andere Eichhörnchenfamilien und nahmen deren Nüsse. Prahlerisch „liehen“ sie sich gegenseitig die Nüsse, obwohl sie selbst die Vorräte geplündert hatten.
So kam es, dass sie immer mehr Nüsse benötigten und gleichzeitig immer mächtiger wurden. – Sie holten sich immer mehr Nüsse von den Anderen, während sie ihre Vorräte verschwendeten.

Es kam, wie es kommen musste: Die benachbarten Eichhörnchen hatten irgendwann auch keine Nüsse mehr oder hatten sie gut versteckt, der Winter drohte zu kommen und die eigenen Vorräte waren leer.

Da begann manche Familienmitglieder zu warnen: „Wir müssen Nüsse sammeln und sparen“. Am Vorderen Teichufer begannen manche wirklich, zu Sammeln und zu versuchen, einen vernünftigen Vorrat aufzubauen. Wenige über dem Teich schlossen sich an. Die meisten Eichhörnchen am vorderen Teich lachten darüber. Am meisten lachten aber die Eichhörnchen auf der anderen Seite.
Trotzdem sammelten die Warner weiter Nüsse, welche aber von den Faulen wieder weg gefressen wurden. Manche Faule machten sich einen Spaß daraus, den Sammlern die Nüsse zu klauen um dann selbst als „Warner“ mit dem „Gesammelten“ nach Hause zu kommen. Andere Betrüger wiederum nahmen Nüsse aus dem Speicher, um sie vor aller Augen prahlerisch in den Speicher zurück zu legen.
Als die Warner begannen, sich über die Tricks der Faulen und Betrüger zu beschweren, drehten diese einfach den Spieß um: Sie behaupteten, die Warner  würden das Lager zur eigenen Bereicherung plündern und nur warnen, um den Leuten Angst zu machen. Und überhaupt: Es gibt keinen Beweis, dass ein schlimmer Winter kommen würde. – Im Gegenteil, es würde ein lauer Winter werden und es wären genügen Nüsse erreichbar.

Es brach Streit aus, am vorderen Teichufer und viele wollten nur mehr ihre eigenen Nüsse sammeln. Jeder dachte nur mehr an sich selbst.
Über dem Teich aber, kümmerte sich niemand um den Winter, Warner wurden ausgelacht und für dumm erklärt.
Nur die Führer wussten, dass die Speicher eigentlich schon leer waren.
Nachts aber saßen die  großen Köpfe zusammen und überlegten: „Wir sind zwar die Zahlreicheren und Stärkeren, aber wenn wir mangels Nüsse schwächer werden, könnten sie uns überrennen. Die Nachbarn haben auch noch ein paar Rechnungen offen. – Am vorderen Teich haben schon vor Wochen begonnen zu sparen und haben schon einen kleinen Vorrat…“.

Am nächsten Tag gingen das Eichhörnchen Launisch und Perle um den Teich herum und sprach zu den Führern am vorderen Teich.
Diese traten danach vor ihre Familie: „Freunde! Die Nachbarn sind Böse und wollen unsere Vorräte klauen, wir müssen gemeinsam mit den Eichhörnchen überm Teich die Nachbarn schwächen, indem wir ihnen ihre Vorräte nehmen! Aber es ist sehr schlimm: Die Eichhörnchen über dem Teich haben das Vertrauen in uns verloren. – Sie behaupten, wir könnten unsere Nüsse nicht zurückzahlen. Als Beweis haben wir ihnen fünfzig Nüsse gegeben, aber wir müssen einen Vorrat anlegen, damit wir wieder ihr Vertrauen gewinnen. So gibt jeder, von seinem privaten Vorrat eine Nuss in unseren Speicher.“

Launisch kam wieder und verlangte wieder Beweise. Diesmal nahm er hundert Nüsse mit. Und wieder traten die Großen vor die Familie, und wieder erklärten sie, zum Wohl der Familie müsste man sparen und noch größere Vorräte anlegen, damit die Leute über’m Teich das Vertrauen gewinnen könnten.
Wieder brach Streit aus: Die Führer erklärten, es wäre besser, man würde die Beweise über den Teich schicken, als man würde das Vertrauen verlieren.

Die Nüsse wurden immer weniger. Einesteils, weil die Faulen weiterhin die Nüsse verprassten, die Betrüger weiterhin die Nüsse aus dem Vorratsspeicher nahmen um sie wieder dort reinzulegen und andersteils, weil die Eichhörnchen über dem Teich nicht gewillt waren, selbst zu sammeln, sondern ihre Vorräte nur mit den „Vertrauensbeweisen“ füllten.

Die Eule in den Baumwipfeln amüsierte sich und sah zum Himmel. – Sie wusste: Irgendwann kommt ein harter Winter. Wenn nicht dieses mal, dann nächstes Mal. – Dann hat sie einen Vorrat an Eichhörnchen.
Nachts schaute sie zu, wie das Eichhörnchen Perle den Führern am vorderen Teichufer versteckt Nüsse bezahlte.
Ihre starken Ohren hörten die Versprechen, von Nüssereichtum und Sicherheit, wenn der Winter kommt…

Jetzt sind die Sammler noch zu schnell für die alte Eule, und nur schwer zu erwischen. Die Faulen gehen nicht aus ihren Verstecken.
Aber wenn der Winter kommt und sie Hungern, werden sie untereinander streiten und um die letzten Vorräte kämpfen.
Dann braucht sich die Eule nur bedienen.
Zuerst wird sie die Warner und Sammler verspeisen. Dann wird der Mangel im Lager die anderen Eichhörnchen aus ihren Löchern treiben. – Eine leichte Beute, diese unerfahrenen Wichtigtuer, die heute noch meinen, alle Katastrophen überleben zu können.

Und wenn diese beiden Familien aufgespeist sind, wird sie wieder Ruhe geben und warten, bis die Nachbarn den Teich besiedelt haben.
Dann wird sie wieder ein paar Eichhörnchen Gier beibringen, um ihren nächsten Vorrat anzulegen…

3 Kommentare zu „Die Eichhörnchen am Teich

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