Alles zu seiner Zeit…

Mobile Phones: Handschellen für unsere Gesellschaft.
Niemand kommt mehr ohne sie aus.
So auch die Kinder (meiner Einer beherbergt zwei davon)…

Das Hauptproblem der Sprösslinge stellt in diesem Zusammenhang natürlich die Schule dar, welche dem kostenpflichtigen, aber unbegrenzten Spaß des SMSen, Facebooken oder Gamen teilweise oder ganz einen Riegel vorschiebt. Je nach Lehrkörper, Schulstufe und geographischen bzw. sozialen Gepflogenheiten unterscheiden sich natürlich die Restriktionen.
So darf mein Sohn (seines Zeichens erst jähriger Besucher einer Hauptschule) schon gar nicht mit dem geliebten Handy in der Hand erwischt werden,
wogegen meine Tochter (besucht eine höhere Schule in der größten Stadt der Umgebung) auch innerhalb des Wissenstempels mit dem elektronischen Weltentor hantieren darf (sprich: Via Facebook mit der Freundin chatten, welche zwei Bänke hinter ihr sitzt).

Meinesteils habe ich ernsthafte Zweifel, betreffend dieser Freiheit:
Denn einesteils gestaltet sich das „Schwätzen“ heutzutage wohl leiser als damals, was den hinteren Schülern das Mithören am Unterricht ermöglicht,
leider ist aber auch deren Konzentration durch die Ablenkung der IT-Droge so massiv beeinträchtigt, dass der vokale Informationsfluss seitens des Leherers wohl knapp hinter Hammer, Amboss und Steigbügel versiegt.
Schwätzen hatte den Vorteil, dass zumindest ein Auge auf den Vortragenden gerichtet war, um Komplikationen zu verhindern. Allerdings war die Reichweite des Schwätzens wohl um einiges begrenzter, als die heutige Funkwellen – Version.
Als meine Tochter noch ein Nokia hatte, konnte sie mit zwei Daumen nahezu gleich schnell blind schreiben, wie ich mit zehn Fingern auf der PC Tastatur. – Und das, im Gegensatz zu mir, nahezu fehlerlos. (Mit Touchscreen verlernt der Jugendliche von Heute leider diese herrausragende Fähigkeit).
Alles in Allem ist es für mich nicht wirklich abschätzbar, ob nun die Schwätz-und-Papierkügelchen Technik oder die elektromagnetische Stille-Post vorteilhafter wäre…

Unser Frühstückstisch: Treffpunkt der Familie und für die Kinder die erste Hürde des Tages.
Zuerst am Tisch jene SchülerIn, welche einen weiten Weg in ihre Ausbildungsstätte genießt. Seit Kurzem bewaffnet mit einem Smartphone, beäugt sie trotzdem alle Vorgänge um ihren Bruder, sodass dieser ja nicht bevorzugt würde. Der kleine Mann stößt später zum Rest der Familie, zwecks Nahrungsaufnahme und allmorgendlicher Müdigkeitsdemonstration.
Die neueste Nachricht, dass eine zusätzliche Auswahl an Mobile Phones im Haus verfügbar wäre, gibt natürlich prompt das Thema vor:
Schule und Telefon.
Seitens des jüngeren Sprösslings lustigerweise kein Diskussionsstoff: Das Gerät bleibt mangels Nutzungsmöglichkeit Zuhause.
Eine selbst getroffene Entscheidung, welche bei seiner älteren Schwester Unverständnis hervorruft – verhält sich doch ihr Sinn des Daseins direkt proportional zur Transferrate des jeweiligen Internetzuganges.
Es folgt die übliche Argumentation, welche von Teen zu Teen weitergegeben wird und heutige Erziehungsberechtigte bei der allgegenwärtigen Urangst erwischt.
Leider gehören wir zur Sorte: „Zu unserer Zeit haben sich Kinder genauso in der Schule das Bein gebrochen und haben trotz fehlendem Handy überlebt“. Womit der Vorstoß meiner Tochter in diese Richtung natürlich ein Kampf gegen Windmühlen darstellt.
Es folgt postwendend der Gegenangriff: Die Ablenkung durch diese virtuellen Wundertüten vermindert die Konzentrationsfähigkeit, reißt den Schüler aus dem Lernen heraus und verlängert dadurch die Lernzeit um das Vielfache.
(Anmerkung: Eine sonst allgemeingültige Argumentation, dass dies den Lernerfolg beeinträchtigen würde, wäre bei den herausragenden schulischen Leistungen meiner Kinder ein peinlicher Schuss ins eigene Knie).

„Ist ja nicht Euer Problem“, kommt es prompt aus der Ecke der ‚KreuzritterIn zur freien Kommunikation‘ zurück.
Nicht ganz, würde ich sagen…
Die Leistungen der Kinder liegen zwar weit über den Erwartungen der Eltern, aber trotzdem werden auch unsere Zeit und Nerven beansprucht, wenn die Tochter das gesamte Wochenende hindurch wieder einmal Bereitschaft für den Befehl: „Mami, Du musst mich noch in XXX ausfragen“, erwartet.

Ein guter Einwand meinerseits. – Dachte ich zumindest. – Denn wenn ihre Zeit zu unserer Zeit wird, haben wir auch Mitspracherecht.

„Moooment. – Wenn ich lerne, habe ich das Handy NIE eingeschalten!!! Oder hast Du mich vielleicht beim Lernen und SMSen gesehen?“
Mein Einwurf, dass dies sehr wohl geschehe, wurde als haltlose Unterstellung degradiert. – Mangels Beweisen (Datenvorratsspeicherung ist für Politiker mit Unschuldsvermutung reserviert) relativierte ich daher meine Aussage auf begründete Zweifel und beschränkte mich auf die Anmerkung, dass ich bei nächster Gelegenheit auf diesen Punkt zurückkommen werde.

So ungeschoren kann man aber die Tochter nicht davonkommen lassen: Immerhin haben Halbstarke ein Recht auf Rebellion und was wäre die schönste Rebellion ohne verbissenen Widerstand???
„In der Schule hast Du das Handy aber an!“
„Natürlich!“
„Ach so! Und in der Schule lernst Du nicht???“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Da kommuniziere ich mit meinen Freundinnen.“
„Wäre es nicht sinnvoll, in der Schule zu lernen? Dann hättest Du Zuhause mehr Zeit!“
„Stimmt schon, aber wofür?“
„Zum Facebooken?“
„Geht nicht!“
„Warum?“
„Da haben die Anderen keine Zeit.“
„Wieso?“
„Sie müssen lernen.“

Was soll man dazu noch sagen???

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